8. Das Ziel-Paradox

Dieses Paradox ist etwas für Fans der Klimapolitik. Es betrifft die Rolle von Emissionszertifikaten im Rahmen des Pariser Abkommens.

Das Pariser Abkommen verpflichtet die Regierungen, ihre Emissionsminderungsziele kontinuierlich zu verschärfen. Gleichzeitig fördert Artikel 6 „die freiwillige Zusammenarbeit bei der Umsetzung ihrer national festgelegten Beiträge, um ehrgeizigere Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung an dessen Folgen zu ermöglichen“.

Die Idee dahinter ist, dass wohlhabendere Länder dazu beitragen können, Klimaschutzmaßnahmen in ärmeren, besonders gefährdeten Ländern zu finanzieren. 

Doch hier liegt das Paradoxon: Je ehrgeiziger die Klimaziele der Regierungen werden und je mehr sie innenpolitische Klimaschutzmaßnahmen fordern, desto weniger Projekte gelten als „zusätzlich“, da sie nun gesetzlich vorgeschrieben sind. Paradoxerweise könnte dies die Regierungen davon abhalten, ihre Klimapolitik zu schnell zu verschärfen. Eine weniger strenge Regulierung könnte den Spielraum für Emissionszertifikate (oder „Klimaschutzleistungen“, wie sie im Pariser Abkommen genannt werden) als Finanzierungsinstrument und damit den Zufluss von ausländischem Kapital erhalten.

Würde man jedoch zu dem Schluss kommen, dass dieses Paradoxon die Abschaffung von Artikel 6 rechtfertigt, würde dies paradoxerweise einen der wenigen unmittelbar verfügbaren Finanzierungsmechanismen für Klimaschutzmaßnahmen beseitigen – insbesondere in Regionen, denen die Infrastruktur oder die finanziellen Mittel fehlen, um groß angelegte Umweltprojekte eigenständig umzusetzen.

Wie lässt sich dieses Paradox lösen? Wie können Regierungen den Zielkonflikt vermeiden, dass strenge CO₂-Reduktionsziele den Umfang der internationalen Klimafinanzierung einschränken?