Suchst du ein Geschenk zum Geburtstag, zur Hochzeit oder zu Weihnachten? Wenn ja, verfolgst du vielleicht den klassischen Ansatz: Je höher der Preis, desto besser die Qualität.
Aber wenn es um Emissionszertifikate geht, kaufen wir keine Geschenke, sondern versuchen, das Klima zu retten. Hier sollte es eigentlich umgekehrt sein: Nach gängiger Auffassung sollte man, um die größtmögliche Wirkung für das Klima zu erzielen, auf die kostengünstigsten Emissionsminderungen abzielen – also mit dem gleichen Budget mehr CO₂ einsparen.
Die Wirtschaftstheorie legt zudem nahe, dass die Preise steigen sollten, wenn die Nachfrage nach Emissionszertifikaten zunimmt. Da kostengünstige Möglichkeiten zur Emissionsminderung allmählich knapp werden, wäre zu erwarten, dass die Menschen auf teurere Lösungen umsteigen und schließlich sogar die teuersten Projekte finanzieren.
Paradoxerweise folgt die Realität jedoch nicht dieser Logik. Stattdessen scheint das Prinzip des „Weihnachtsgeschenks“ zu greifen. Manche Menschen stehen kostengünstigen Emissionszertifikaten skeptisch gegenüber und vermuten, dass niedrige Preise auf geringe Qualität hindeuten und damit Raum für Greenwashing schaffen. Die Ironie dabei ist, dass diese Kritik die Nachfrage nach Emissionszertifikaten dämpft und die Preise weiter senkt, da die Projektbetreiber nun darum kämpfen, ihre Investitionen wieder hereinzuholen.
Und die Ironie geht noch weiter: Einige der teuersten Emissionszertifikate gelten als „von bester Qualität“, doch ihre hohen Kosten machen es den Käufern schwer, alle Emissionen zu kompensieren. Infolgedessen geben viele ihre Kompensationsvorhaben auf, was zu geringeren Emissionsminderungen führt.
Was also tun, wenn die Leute sowohl günstige („minderwertig!“) als auch teure („zu teuer!“) Credits ablehnen?
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.