11. Das Verlagerungs-Paradox

Hier sprechen wir über unbeabsichtigte Folgen gut gemeinter Investitionen – den „Spillover-Effekt“. 

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen einen Wald oder eine Abholzungslizenz, um die Bäume zu schützen, anstatt sie zu fällen. 

Toll, oder? Aber hier ist der Haken: Das Unternehmen, das Ihnen das Land verkauft hat, könnte nun einen anderen Wald abholzen, um denselben Holzbedarf zu decken. Die Emissionen, von denen Sie dachten, Sie hätten sie vermieden, wurden einfach an einen anderen Ort verlagert. Das nennt man „Leakage“.

Auch in anderen Branchen besteht die Gefahr von Verlagerungseffekten. Was passiert, wenn man ein Kohlebergwerk schließt, die Kohle aber stattdessen einfach aus einem anderen Bergwerk stammt?

Was wäre, wenn Sie Ihre „umweltschädlichen“ Anlagen im Rahmen einer Dekarbonisierungsstrategie verkaufen, diese Anlagen aber lediglich einen neuen Eigentümer bekommen?

Der Verlagerungs-Effekt führt zu einem Paradox: Die Rettung eines Waldes kann unbeabsichtigt zur Abholzung eines anderen Waldes führen, insbesondere wenn die wirtschaftlichen Ursachen – wie die Nachfrage nach Holz oder Ackerland – unberücksichtigt bleiben. Schlimmer noch: Die dadurch verursachte Abholzung könnte sogar noch empfindlichere Ökosysteme betreffen.

Ebenso kann es passieren, dass, wenn Sie Ihr Kohlekraftwerk in der gut gemeinten Absicht verkaufen, Ihre Anlagen dekarbonisieren, dieses Kohlekraftwerk letztendlich in die Hände eines Investors gelangt, dem die Umwelt weniger am Herzen liegt als Ihnen.

Wie lässt sich das Verlagerungs-Paradox lösen?