24. Das Erwartungs-Paradox

Bei diesem Paradoxon geht es um (überzogene) Erwartungen. 

Emissionszertifikate wurden zu zwei Zwecken geschaffen. In erster Linie dienen sie der Finanzierung von Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Zweitens sollen sie die nachhaltige Entwicklung in den Gastländern fördern. 

Wenn wir Emissionszertifikate von einem gemeindebasierten Projekt erwerben, etwa für energieeffiziente Kochherde, regenerative Landwirtschaft oder Waldsanierung, sind unsere Hoffnungen und Erwartungen hoch: Die Emissionszertifikate sollen dazu beitragen, die Welt gerechter und ausgewogener zu machen. 

Bei der Bewältigung konkreter Herausforderungen bringen diese Projekte jedoch oft andere Ungleichheiten und ungelöste Probleme ans Licht. So kann beispielsweise ein Programm für saubere Kochherde die Luftverschmutzung in Innenräumen verringern und den Druck auf die schwindenden Waldbestände mindern. Andere, möglicherweise dringlichere Probleme wie mangelnde Bildung, gesundheitliche Herausforderungen, geschlechtsspezifische Ungleichheiten oder weit verbreitete Armut lassen sich damit jedoch nicht lösen.

Die Erwartungen der Käufer können schnell in Enttäuschung umschlagen, wenn sie feststellen, dass die lokalen Gemeinschaften trotz des unterstützten Projekts weiterhin in Armut leben und mehrere dringende Probleme ungelöst bleiben.

Paradoxerweise laufen diese Initiativen Gefahr, dafür kritisiert zu werden, dass sie zwar ein Problem angehen, andere jedoch außer Acht lassen – Probleme, die ohne die Aufmerksamkeit, die das Projekt ihnen verschafft, möglicherweise unbemerkt geblieben wären.