CO₂-Zertifikate sind tot. Es leben die Climate Units!

Nach Jahrzehnten des Ausprobierens, Scheiterns und der Anpassung begannen die CO₂-Märkte endlich, ihr Potenzial auszuschöpfen, als sie 2023 inmitten heftiger Kontroversen zusammenbrachen.

Warum geschah dies?

Zum Teil deshalb, weil sich die CO₂-Zertifikate bei der Bewältigung des schwierigsten Problems der Menschheitsgeschichte in einem Netz von Paradoxien verhedderten – von denen wir viele in „Carbon Paradox“ zusammengetragen haben.
Doch trotz ihrer Mängel bleiben CO₂-Zertifikate das einzige Instrument der Klimafinanzierung, das jemals eine nennenswerte Größenordnung erreicht hat. Die entscheidende Frage lautet also: Können sich die Kohlenstoffmärkte erholen?
Wir glauben, dass sie es können – aber nur, wenn sich das grundlegende Paradigma und die Erzählung ändern.
Während der Recherchen für unser Buch „The Carbon Paradox“ haben wir in Gesprächen mit unzähligen Interessengruppen die Notwendigkeit eines neuen gemeinsamen Rahmens erkannt; einer Grundstruktur, die allen Beteiligten hilft, sich darauf zu einigen, was Emissionszertifikate darstellen und wie sie in den umfassenderen Kampf gegen den Klimawandel passen.
Zunächst glauben wir, dass wir über den Begriff „Emissionszertifikat“ hinausgehen müssen. Was als Begriff begann, um Zahlungen für Klimaverpflichtungen von bloßer Philanthropie abzugrenzen, hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung als „Lizenz zum Verschmutzen“ festgesetzt. Wir schlagen stattdessen „Klimaeinheit“ vor – einen Begriff, der messbare Fortschritte hin zu einem gemeinsamen Ziel betont, nicht Absolution.
Aber eine Namensänderung reicht natürlich nicht aus. Wir glauben auch, dass technische Lösungen, so wichtig sie auch sind, ins Leere laufen werden, wenn wir dieses Instrument nicht wieder in den elementaren Kräften verankern, die das Leben seit jeher leiten – Himmel, Tiere, Berge, Wald und Ozean –, die uns sowohl an unsere Grenzen als auch an unsere Möglichkeiten erinnern.

Als neue Erzählung schlagen wir daher die fünf Elemente vor:
Der Himmel – Zweck und Vision: Klimaeinheiten müssen stets dem Zweck dienen, die Klimaziele zu erhöhen – nicht sie zu verringern.
Die Tiere – Komplementarität: Klimamaßnahmen sind eine von vielen Klimalösungen. Verschiedene Lösungen und verschiedene Projektarten müssen sich gegenseitig ergänzen. 
Die Berge – Robustheit: Robustheit, Transparenz und Regulierung müssen jeder Klimamaßnahme zugrunde liegen, im Einklang mit Artikel 6 des #PariserAbkommens.
Der Wald – Staunen: Klimaschutzmaßnahmen sollen uns inspirieren, uns zu Innovationen, zum Schaffen und zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit herausfordern.
Der Ozean – Lernen: Klimamaßnahmen werden niemals perfekt sein. Sie sind von grundlegenden Paradoxien durchzogen, von denen einige immer bestehen bleiben werden.
 
Die fünf Elemente sind kein technisches Handbuch, sondern ein Diskussionsinstrument: eine Möglichkeit, klar und inklusiv auszudrücken, was wir alle durch Klimaschutzmaßnahmen und anschließend durch Klimaeinheiten erreichen wollen.
Sie sind keine endgültigen Antworten, sondern Denkanstöße – bitte teilen Sie Ihre Meinung mit!
Diskutieren Sie mit Renat auf LinkedIn.